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Weniger Gründungen, mehr Digitalisierung


Der dritte Gründungsreport der 16 IHKs in Nordrhein-Westfalen zeigt: Die Zahl der Gründungen ging 2020 massiv zurück. Das hat viel mit der Corona-Pandemie zu tun, die auch das Gründungsgeschehen beeinträchtigt hat. Zugleich nutzten viele Gründerinnen und Gründer die Gelegenheit, verstärkt zu digitalisieren und Geschäftsmodelle anzupassen.

Die gute Nachricht: In NRW werden viele Unternehmen gegründet. Auch Corona hat Gründungswillige nicht daran gehindert, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. NRW-weit entstanden 2020 gut 50.000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft. Die weniger gute Nachricht: Es werden trotzdem immer weniger. 2016 gingen noch knapp 65.000 Unternehmerinnen und Unternehmer in NRW neu an den Start, 2019 schon nur noch knapp 59.000. 2020 reduzierte sich die Zahl dann erheblich.

„Dieser jüngste, fast 15-prozentige Rückgang zieht sich durch nahezu alle Branchen und lässt sich vor allem durch die Corona-Pandemie erklären“, sagt Ralf Stoffels, Präsident IHK NRW. „Diese beeinflusst seit März 2020 massiv das Wirtschaftsleben und macht mit ihren zahlreichen Herausforderungen und Einschränkungen natürlich auch vor den Gründern nicht halt.“

Dies ist eines der vielen Ergebnisse aus der jüngsten Umfrage der 16 NRW-IHKs bei Nachwuchsunternehmerinnen und -unternehmern, die 2020 den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben. Zusammengefasst sind sie im Gründungsreport NRW 2021, den die IHKs nun nach 2017 und 2019 zum dritten Mal vorgelegt haben. Über 500 Gründer beteiligten sich. Sie beantworteten 20 Fragen rund um das Gründungsgeschehen an sich sowie weitere zehn Fragen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihre Gründung.

Corona: schneller, flexibler, digitaler

Wie die Sonderauswertung „Gründen in Corona-Zeiten“ des Gründungsreports NRW zeigt, hat die Pandemie das Gründungsgeschehen deutlich beeinflusst. Zwar gaben 63 Prozent der Befragten an, die Pandemie habe keinen Einfluss auf ihr Gründungsvorhaben gehabt. Diese Aussage relativiert sich jedoch durch die weiteren Antworten. Zwei von fünf Gründern nämlich haben ihre Geschäftsidee wegen Corona schneller umgesetzt als ursprünglich geplant, während die übrigen knapp 60 Prozent teils einige Monate länger benötigten als vorgesehen.

Viele Gründer mussten zudem nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich flexibel reagieren. 21,1 Prozent der Befragten sagten, dass die Corona-Situation Anpassungen des Geschäftsmodells erforderlich gemacht hätte. Weitere 37,7 Prozent sagten, dies sei zumindest zum Teil erforderlich gewesen. In der Gastronomie und im Beherbergungsgewerbe trifft dies sogar auf insgesamt 93 Prozent der Befragten zu.

Eine Anpassung sticht dabei hervor: Zwei von drei Gründern hat mehr digitalisiert – die mit Abstand häufigste Nennung. Je rund ein Drittel entschied sich für andere oder zusätzliche Produkte oder Dienstleistungen sowie andere oder zusätzliche Vertriebswege.

Eine weitere Folge von Corona: Viele konnten ihre ursprünglichen Entwicklungs- und Umsatzziele nur teilweise oder nicht erreichen. Als größte Herausforderungen nannten die Befragten eine geringere Auslastung oder Kundenfrequenz, fehlende Reisemöglichkeiten, Schließungen oder Teilschließungen sowie höhere Kosten.

Alles tun für mehr Gründungen

Den IHKs bereiten die zurückgehenden Gründungszahlen Sorgen. „Die NRW-Politik sollte sich damit dringend auseinandersetzen“, fordert IHK-NRW-Präsident Ralf Stoffels. Aus dem aktuellen Gründungsreport leiten die NRW-IHKs einige klare Handlungsempfehlungen ab. So sollten nebenberufliche Gründungen stärker gefördert werden, denn sie bieten oft eine Chance zum Einstieg in die Selbstständigkeit, während viele vor einer Vollerwerbsgründung zögern. Stoffels: „In ihnen steckt ein sehr hohes Potenzial.“ Zudem müsse Wirtschaft zum Schulfach werden, um unternehmerisches Denken und Handeln schon früh zu verankern und positiv zu besetzen. Darüber regen die IHKs in NRW an, den Gründungszuschuss an aktuelle Entwicklungen anzupassen und die Meistergründungsprämie für mehr Brachen zugänglich zu machen. „Gründungen sorgen für Innovationen“, betont Stoffels. „Alles, was hilft, dass wieder mehr Unternehmen gegründet werden, ist gut für den Wirtschaftsstandort NRW!“


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