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Gründungsreport 2019 erschienen


Studie: Neue Gründer braucht das Land

Die Zahl der Gründungen geht weiter zurück; bereits eingeleitete Gegenmaßnahmen greifen erst in diesem Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, mit der IHK NRW zum zweiten Mal das Gründungsklima in Nordrhein-Westfalen untersuchen ließ.

Die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen entwickelt sich seit zehn Jahren außerordentlich positiv, die Wachstumsraten sind hoch, die Zahl der Erwerbstätigen steigt. Doch ein gravierendes Problem macht sich zunehmend in der Wirtschaft bemerkbar: Immer weniger Menschen wagen den Sprung in die Selbständigkeit und gründen ein eigenes Unternehmen. Allein seit dem Jahr 2014 sank die Zahl der jährlichen Unternehmensgründungen in NRW von knapp 70.000 auf unter 60.000 im Jahr 2018. Das Problem wird verschärft durch einen weiteren Effekt des demografischen Wandels: Die Generation der Babyboomer geht in Rente und damit viele Inhaber von Familienunternehmen. Laut einer Studie von IHK NRW gelten in der Region Hellweg-Sauerland in den nächsten zehn Jahren rund 2.050 Unternehmen als übernahmefähig. Hier sind rund 38.900 Mitarbeiter beschäftigt – das sind 18 Prozent aller Beschäftigten.

IHK NRW befragte daher zum zweiten Mal seit dem Jahr 2017 Unternehmensgründer in NRW, um zu erfahren, was sie anspornt, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen beziehungsweise was sie davon abhält: In welchen Bereichen werden sie aktiv? Wie finanzieren sie ihre Gründung? Und erfüllen sich ihre Erwartungen? 10.000 Gründer wurden dazu angeschrieben.

Wie schon bei der ersten Studie überraschte bei der Auswertung, wie schnell sich die Gründer für den Schritt in die Selbständigkeit entschlossen haben. In der Region Hellweg-Sauerland brauchten knapp 74 Prozent für die Vorbereitungsphase weniger als sechs Monate. Gut 16 Prozent nahmen sich bis zu einem Jahr Zeit, gut zwölf Prozent brauchten mehr als ein Jahr zur Vorbereitung. Dabei entfielen 82 Prozent der Unternehmensgründungen auf die Gründung eines neuen Unternehmens. Gut acht Prozent der Befragten übernahmen einen bestehenden Betrieb. Der typische Gründer in der Region ist zwischen 35 und 55 Jahre alt, kommt zu 52 Prozent aus einem Beschäftigungsverhältnis und ist männlich.


37,4 Prozent gründen im Haupterwerb

Während in NRW rund 51 Prozent der Gründer im Hauptgewerbe starten, so sind es in der Region Hellweg-Sauerland 37,4 Prozent. Somit liegt der Hauptanteil aller Gründungen mit 62,6 Prozent im Nebenerwerb. Sofern die Gründung im Haupterwerb umgesetzt wurde, haben 80 Prozent der Befragten angegeben, dass sie am Ende des ersten Jahres nach der Gründung ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können.

Fast 28 Prozent der landesweit Befragten sehen keinerlei Schwierigkeiten bei der Unternehmensgründung. Vor zwei Jahren lag dieser Wert allerdings drei Prozentpunkte höher, sodass Gründen in den vergangenen beiden Jahren nicht einfacher geworden ist. In der Region bezeichneten über 44 Prozent der Befragten den bürokratischen Aufwand als größte Hürde auf dem Weg in die Selbständigkeit. Etwa 37 Prozent nannten zusätzlich die Steuergesetzgebung als Schwierigkeit.


Gründungsklima ist gut

Das Gründungsklima in der Region empfinden zwei Drittel der Befragten als sehr gut, gut oder befriedigend. So würden auch rund 62 Prozent einem guten Freund die Selbständigkeit empfehlen. NRW-weit bescheinigen 39 Prozent der Befragten dem Land ein gutes oder gar sehr gutes Gründungsklima. 2017 waren es noch knapp die Hälfte der Befragten. Im Gegenzug stieg nun der Anteil derjenigen, die das Gründungsklima nur als befriedigend oder als ausreichend einschätzen, von knapp 41 auf 49 Prozent.

Bei dieser Veränderung muss aber beachtet werden, dass sich das wirtschaftliche Umfeld in den letzten beiden Jahren insgesamt und in einzelnen Branchen verschlechtert hat. Zudem sind einige Maßnahmen zur Vereinfachung und Förderung der Unternehmensgründung erst zum 1. Juli 2018 in Kraft getreten. Die Befragten aus der aktuellen Studie konnten davon noch nicht profitieren, da sie in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 den Schritt in die Selbständigkeit unternahmen. „Dabei ist insbesondere das Gründerstipendium zu nennen, das nicht unerhebliche finanzielle Anreize bietet, oder das Gewerbe-Service-Portal.NRW (GSP.NRW), das die An-, Um- und Abmeldung eines Gewerbes online ermöglicht und somit das Verfahren erheblich vereinfacht“, sagt André Berude, Leiter des Fachbereichs Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Arnsberg. „Insofern wird es interessant sein zu sehen, wie sich das Gründungsklima in den kommenden beiden Jahren verändern wird.“


Nur wenig Interesse an Unternehmensnachfolge

Neu in der Studie 2019 war eine Befragung zum Thema Unternehmensnachfolge. Um zu ergründen, wie man eine Unternehmensübernahme erleichtern könnte, wurden die Mitglieder der sogenannten Nachfolger-Clubs befragt, die die IHKs in NRW schon vor einiger Zeit gründeten.

Die erste Erkenntnis aus dieser Erhebung lautet: Aktuell ist der Kreis der Interessenten relativ eingeschränkt. Es handelt sich überwiegend um Männer im Alter zwischen 40 und 59 Jahren, die bereits über eine große Berufserfahrung verfügen und diese nun in einem eigenen Unternehmen einsetzen wollen, ohne deswegen mit einer Neugründung sozusagen bei Null anfangen zu wollen. Knapp zwei Drittel der Befragten sind als Geschäftsführer tätig.

Um Schwung in das Thema Unternehmensnachfolge zu bekommen, wäre es wichtig, auch andere Zielgruppen zu aktivieren. An erster Stelle müssen dabei Frauen angesprochen werden, die sich bisher kaum mit einer Übernahme beschäftigen. „Aber auch jüngere Fachkräfte mit dem entsprechenden Know-how könnten einen frühzeitigen Start in die Eigenständigkeit wagen. Nicht jeder braucht die Erfahrung als Geschäftsführer für eine Gründung“, sagt André Berude.


IHK NRW wird die Studie regelmäßig aktualisieren, um die gewonnenen Erkenntnisse zu verstetigen.



Die Printversion der Studie kann bei Cornelia Weiß unentgeltlich bezogen werden. Die PDF-Datei steht hier als Download bereit.


André Berude
Dipl.-Betriebswirt
Tel:02931 878-142
Fax:02931 878-100
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Cornelia Weiß

Tel:02931 878-163
Fax:02931 878-100
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Gründungsreport 2019