Autobahn Talbrücke Nuttlar A46
Foto: Tanja Esser - stock.adobe.com

Ihre Meinung ist gefragt!

Die IHK hat gefragt und viele Unternehmen haben mit ihrer Bewertung von 34 Thesen einen unternehmensspezifischen Blick auf den Verkehr der Zukunft geworfen. Die Ergebnisse sind nach ausführlicher Beratung im IHK-Ausschuss für Verkehr und Mobilität in den Entwurf des verkehrspolitischen Leitbildes der IHK Arnsberg eingeflossen.

Finden Sie sich dort mit Ihrer Position wieder? Gibt es aus Sicht Ihres Unternehmens Änderungs- oder Ergänzungsbedarf? Gerne nehmen wir Hinweise und Anregungen aus dem Kreis der IHK-Mitglieder entgegen. Anregungen werden im Ausschuss für Verkehr und Mobilität beraten und der IHK-Vollversammlung im November zur finalen Beschlussfassung vorgelegt.

Bitte richten Sie Ihre Anregungen an IHK-Geschäftsbereichsleiter Thomas Frye per Mail: frye@arnsberg.ihk.de.

Die Beteiligungsmöglichkeit endet am 15.08.2022.




Hintergrund: Die IHK-Verkehrsbefragung

Die Mobilität von Gütern und Personen ist für die regionale Wirtschaft auch in Zukunft essenziell. „Deshalb müssen klimapolitische Maßnahmen darauf hinwirken, den Verkehr klimafreundlicher abzuwickeln, ohne die Leistungsfähigkeit des Mobilitäts-systems einzuschränken“, zog IHK-Präsident Andreas Rother als Fazit aus der zum Jahresbeginn 2022 durchgeführten Verkehrsumfrage unter allen IHK-Mitgliedern.

Mittels einer online-Befragung konnten die Unternehmen verschiedenen Thesen zustimmen oder widersprechen. Die insgesamt 34 Aussagen, die auch bei der derzeit diskutierten Verkehrswende von wirtschaftlicher Relevanz sind, betrafen die Themenblöcke Infrastruktur von Straße und Schiene, Innenstadtverkehr, Berufspendler-, Güter- und Luftverkehr sowie verkehrsrechtliche Vorschriften.

Die Ergebnisse zeigen einen differenzierten Blick der Unternehmen auf den Verkehr der Zukunft. Je nach Standort und den branchenspezifischen Verkehrsbedürfnissen werden unterschiedliche Handlungsansätze auf der verkehrspolitischen Ebene erkannt. „Quer durch alle Branchen wird allerdings der Erhalt oder die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur als vordringlich angesehen“, sieht IHK-Geschäftsbereichsleiter Thomas Frye den roten Faden der Befragungsergebnisse. So stimmen knapp 60 Prozent der Unternehmen der Aussage zu, dass die überregionale Straßeninfrastruktur für den steigenden Verkehrsbedarf kontinuierlich ausgebaut werden muss. Mehr als drei Viertel aller Unternehmen halten stetige Unterhaltungsinvestitionen sowie eine Optimierung des regionalen Straßennetzes für erforderlich.

Gleichzeitig plädiert die Mehrheit dafür, die Leistungsfähigkeit von und das Angebot auf der Schiene auszubauen (70 % Zustimmung), um mehr Güter auf die Bahn zu verlagern (74 %). Dabei muss für 80 Prozent der Unternehmen der schienengebundene Güterverkehr flexibler und preislich wettbewerbsfähiger werden, staatlich-regulatorische Eingriffe lehnen die Unternehmen hingegen mehrheitlich ab.

Generell sehen die IHK-Mitglieder den Wettbewerb der Verkehrsträger und der Antriebs-systeme (78 %) als wichtigste Triebfeder auch für die klimapolitische Verkehrswende an. „Es kommt darauf an, wie der Verkehr abgewickelt wird, und nicht darauf, ob er über Asphalt oder Schienen rollt“, interpretiert Thomas Frye die Unternehmensbewertungen. 49 Prozent der Unternehmen stimmten der These zu, dass „Güterverkehr nicht um jeden Preis auf die Schiene verlagert, sondern stattdessen auf klimafreundliche Antriebe gesetzt werden soll“. Nur 15 Prozent lehnten dies ab.   

Auch die Bewertungen zu den innenstadtbezogenen Thesen fallen differenziert aus: Rad- und Busverkehr müssten attraktiver werden (76 %), ebenso wie Parkplätze und Tiefgaragen (64 %). Eine Einschränkung des PKW-Verkehrs zugunsten des Umweltverbundes von Rad und Bus lehnt eine Mehrheit (42 % gegenüber 24 %) hingegen ab.

Die Sicherheit von Fußgängern hat Vorrang vor der Flüssigkeit des Verkehrs (62 %). Gleichwohl hält eine Mehrheit (45 % gegenüber 30 %) flächendeckendes Tempo 30 in Innenstädten nicht für den richtigen Weg, um Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit ins Lot zu bringen. 

Beim Thema Luftverkehr wird mehrheitlich (49 % gegenüber 19%) ein ausreichendes Angebot an den Flughäfen Dortmund und Paderborn-Lippstadt als wichtiger Standortfaktor angesehen. Innerdeutsche Flugreisen hält hingegen eine signifikante Gruppe (36 %) nicht mehr für vertretbar. 57 Prozent der Unternehmen lehnen die dauerhafte Subventionierung der Airports ab.

Ein regelmäßig auf die politische Tagesordnung geratendes Thema ist das generelle Tempolimit auf Autobahnen. Hierzu spricht sich eine knappe Mehrheit (50 % gegenüber 42 %) gegen ein Limit von 130 km/h auf Autobahnen aus. Positiv ist die Haltung zur Förderung der Berufspendler: Pendlerparkplätze an Verkehrsknotenpunkten sollten ausgebaut (79 %), Pendler steuerlich stärker entlastet werden (67%).

An der Umfrage, die im Zeitraum vom 26.01.-13.02.2022 stattfand, haben sich knapp 950 Unternehmen aller Branchen beteiligt. Die IHK hatte direkt und über verschiedene Medien alle Mitglieder zur Beteiligung aufgerufen. Die Ergebnisse der Befragung wurden im IHK-Verkehrsausschuss einer ersten Bewertung unterzogen und flossen in der Folge in den Entwurf des verkehrspolitischen Leitbildes der IHK Arnsberg ein. Die künftige neue Richtschnur für die politische Positionierung der IHK Arnsberg in allen für die Wirtschaft relevanten Fragenstellungen von Mobilität und verkehrlicher Infrastruktur soll im November von der IHK-Vollversammlung verabschiedet werden.