Brückenmonitor 2025

IHK-Studie zeigt: Zustand vieler Brücken alarmierend schlecht

Das mahnende Beispiel Rahmedetalbrücke verdeutlicht, dass schon eine marode Brücke einen erheblichen Standortnachteil bedeuten kann. 

Rund 2.500 Brücken in NRW sind marode, fast 800 davon gelten als mangelhaft. Mehr als 30 Prozent der Autobahnbrücken sind sanierungsbedürftig. Zu diesem alarmierend schlechten Ergebnis kommt eine aktuelle Brückenstudie, die das Center Building an Infrastructure Engineering und das Institut für Straßenwesen an der RWTH Aachen im Auftrag von IHK NRW durchgeführt haben. Und der Blick in die Region Hellweg-Sauerland zeigt: Auch im Kreis Soest finden sich marode Brücken. Eine Übersicht über alle sanierungsbedürftigen Brücken (Autobahnen und Bundesstraßen) in NRW, liefert die im Rahmen der Brückenstudie veröffentlichte Karte.

Der Handlungsdruck ist groß – ganz besonders in NRW. Ein Ausfall von nur einer Autobahnbrücke kann erhebliche Kosten für die lokale Wirtschaft nach sich ziehen, insbesondere, wenn überregional bedeutsame Verbindungen betroffen sind. Darüber hinaus werden in solchen Situationen andere Teile des Verkehrsnetzes stark belastet. Denn die IHK-Studie kommt ebenfalls zu dem Ergebnis: Besonders betroffen sind die Autobahnen. In keinem anderen Bundesland müssen so viele Brücken ersetzt oder erneuert werden wie in Nordrhein-Westfalen.

Im Bezirk der IHK Arnsberg befinden sich neun Brücken, die den schlechtesten Traglastindex (V) aufweisen. Sieben dieser Brücken stehen im Kreis Soest. Insbesondere sind Brücken der A44 betroffen, bei deren Bau in den 1960er und 1970er Jahren noch nicht die heutigen Traglasten vorgesehen waren. Insgesamt befinden sich auf den Abschnitten der A44 (Kreis Soest und Hochsauerlandkreis) 32 Brücken mit einem der beiden schlechtesten Traglastindizes IV oder V.

Auch das Beispiel der Margaretenseebrücke an der B55 bei Lippstadt unterstreicht die Risiken, die mit maroden Brücken einhergehen: Als bei einer Untersuchung im Jahr 2014 erhebliche Tragfähigkeitsdefizite an dem Bauwerk festgesellt wurden, musste eine sofortige Sperrung für den LKW-Verkehr über 7,5 Tonnen erfolgen. Die Brücke musste großräumig umfahren werden, was erhebliche Zeitverluste für die Verbindung zwischen den Autobahnen A2 und A44 bedeutete. Zwar konnte die Brücke 2016 provisorisch verstärkt werden, sodass wieder auch LKW die Strecke wieder befahren konnten, doch nicht bei jeder Brücke besteht die Möglichkeit dazu.

In den Kreisen Soest und Hochsauerlandkreis ist der Güterverkehr ganz besonders stark auf eine verlässliche Infrastruktur angewiesen: Eine Erhebung der IHK Arnsberg aus dem Jahr 2024 zeigt, dass 95% der Güter aus dem Kreis Soest heraus per LKW transportiert werden. Im Hochsauerlandkreis sind es sogar 99%. Darüber hinaus prognostiziert das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) bis 2040 deutschlandweit einen Zuwachs im Straßengüterverkehr von 34%. Diese Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit eines belastbaren Straßennetzes.

Dass gerade auf einer überregional bedeutsamen Verbindung, wie der A44, so viele Brücken einen schlechten Traglastindex von IV oder V aufweisen, ist besorgniserregend und unterstreicht die Notwendigkeit für mehr Investitionen in die Straßeninfrastruktur. Der Traglastindex ist ein Vergleich zwischen der Soll- und Ist-Tragfähigkeit eines Bauwerks, insofern sagt ein schlechter Traglastindex aus, dass die aktuelle Brückentragfähigkeit nicht ausreicht, um den eigentlich nötigen Bedarf zu decken.

Es gibt verschiedene Ansätze, mit denen erreicht werden kann, dass die Brücken bis zur Sanierung unter Verkehr betrieben werden können. Mit den richtigen Maßnahmen können plötzliche Sperrungen für den Schwerlastverkehr oder schlimmstenfalls eine Vollsperrung weitestgehend vermieden werden. Außerdem ist eine frühzeitige transparente Planung, Information und Kommunikation mit allen Beteiligten wichtig. Sie führen zu einer gesteigerten Akzeptanz und helfen, zu lange Verfahren zu vermeiden.

Im Rahmen der Studie gibt IHK NRW der Politik acht Handlungsempfehlungen mit auf den Weg:

  1. Beschleunigung von Bauvorhaben und Planung
  2. Mehr Mittel sowie eine Verstetigung der Finanzierung
  3. Schnellere Digitalisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren
  4. Erhaltungsmanagement verbessern
  5. Transparenteres Verkehrs- und Baustellenmanagement
  6. Verlängerung der Nutzungsdauer von Brücken
  7. Intelligente Steuerung des Verkehrs
  8. Kommunale Belange besser berücksichtigen