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Basel II Rating


Basel III: Neue Herausforderungen in der Mittelstandsfinanzierung


Das Bankenwesen soll stabiler und sicherer werden. Mit den Richtlinien Basel III werden der Finanzwelt neue Vorgaben bei der Vergabe von Krediten auferlegt: Sie müssen ab 2013 mit mehr Eigenkapital unterlegt werden. Für Unternehmen könnte Fremdkapital künftig teurer werden, Kreditrestriktionen sind nicht ausgeschlossen.


Wie kann die Finanzwelt krisenfester aufgestellt werden? In erster Linie müssen Kreditinstitute künftig mehr Eigenkapital vorhalten. Das sehen die Empfehlungen des Baseler Ausschusses für Bankensicherheit vor, die im September 2010 unter dem Titel Basel III verabschiedet worden sind. Gleichzeitig wird eine neue Verschuldungsübergrenze (Leverage Ratio) eingeführt, mit der die zulässige Gesamtbilanzsumme zuzüglich außer-bilanzieller Geschäfte der Banken auf das 33-fache beschränkt wird. Zudem wird mit Basel III die Möglichkeit eingeschränkt, Einlagen kurzfristig in langfristige Kredite umzuwandeln – mit negativen Auswirkungen auf die Fristentransformation.


Mit diesen Empfehlungen reagiert der Baseler Ausschuss sowohl auf die Rahmenbedingungen des Finanzsektors, der immer globaler und dynamischer arbeitet, aber auch auf die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Neu ist das Bestreben, das Bankensystem zu reglementieren, dabei nicht. Bereits 1988 hat der Ausschuss, der bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angesiedelt ist, mit Basel I eine Richtlinie zur Eigenkapitalunterlegung auf den Weg gebracht. Schon damals war es Ziel, Verluste abzufedern und die Liquidität der Banken aufrecht zu erhalten.


2004 brachte der Ausschuss dann mit Basel II die erste Ergänzung der Richtlinie auf den Weg, die 2007 in Kraft trat und von da an auch die Bonität der Kreditnehmer auf den Prüfstand stellte: Die Konditionen der Kreditvergabe orientieren sich seitdem verstärkt am Risiko. Unternehmen müssen mittels eines Ratings ihre Bonität nachweisen. Dazu stehen ihnen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: das externe Rating durch eine Agentur, das in der Regel von Großkonzernen in Anspruch genommen wird, oder das interne Rating durch die Bank, auf das vorwiegend mittelständische Betriebe setzen. Wobei die bankeigenen Systeme in regelmäßigen Abständen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen überprüft werden.


In jedem Fall berücksichtigt ein Rating quantitative Faktoren wie Branchenrisiko, Liquidität, Finanzlage, Marktgegebenheiten oder Ertragskraft. Ergänzend fließen qualitative Faktoren wie Management, Unternehmensstrategie oder Personalpolitik in die Bewertung mit ein. Das Ergebnis der Überprüfung definiert schließlich das Ausfallrisiko, das die Bank oder Sparkasse bei der Vergabe eines Kredites eingeht. Diesem Risiko entsprechend müssen Kredite bankintern entweder mit mehr oder weniger Eigenkapital unterlegt werden.


Für Kreditinstitute bedeutet das mehr Flexibilität bei der Kreditvergabe. Aber auch für Unternehmen ergibt sich aus diesem Verfahren eine Chance: Mit einer guten Bonitätsnote können sie bessere Konditionen bei der Finanzierung erzielen.


Die erneute Regulierung der Kreditinstitute durch Basel III erfolgt ab 2013 und wird stufenweise bis 2019 umgesetzt. Demnach müssen Banken künftig ihr Kernkapital - bestehend aus Stammkapital und Rücklagen - deutlich erhöhen. Vorgeschrieben wird eine Kernkapitalquote von 7 Prozent (ab 2019). Diese Quote entspricht dem Verhältnis des Eigenkapitals zu den risikobehafteten Geschäften, wie vergebenen Krediten und Geldanlagen, und lag vormals bei 4 Prozent.


Die neuen Vorgaben zur Kernkapitalquote sehen vor, dass Banken ab 2016 und bis spätestens 2019 einen Kapitalerhaltungspuffer von 2,5 Prozent aufbauen. Damit sollen Banken auch im Krisenfall zahlungsfähig bleiben. Zusätzlich zu diesem Puffer fließen 4,5 Prozent (vormals 2 Prozent) für harte, bei Verlusten sofort haftende Komponenten wie Aktien oder Gewinnrücklagen ab 2015 in die Kernkapitalquote ein. Mit 1,5 Prozent weichem Kernkapital sowie dem Ergänzungskapital steigt die Quote des Eigenkapitals auf 10,5 Prozent. Für Banken, die an der Börse notiert sind, gelten ab 2013 stille Einlagen nicht mehr als hartes Kernkapital. Anderen Banken bleibt diese Form erhalten.


Darüber hinaus soll mit Basel III eine Liquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio) die Kreditinstitute stabiler machen, indem im Krisenfall über einen Monat lang Verluste kompensiert werden können. Dazu müssen Vermögensanlagen vorgehalten werden, die im Ernstfall zügig veräußert werden können. Der Verschuldung von Banken und Sparkassen schiebt der Baseler Ausschuss zudem mit einer Obergrenze (Leverage Ratio) von höchstens 3 Prozent einen Riegel vor. 


Kreditinstitute müssen nach diesen Vorgaben künftig nicht nur mehr, sondern auch besseres Eigenkapital vorhalten mit dem Ziel, das Verlustpolster zu stärken. Und das kann sich voraussichtlich direkt auf die Kreditkosten auswirken: Unternehmensfinanzierungen könnten grundsätzlich teurer werden.


Michael Rammrath
Dipl.-Bankfachwirt
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