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„Zuerst haben wir uns schon viele Fragen gestellt“, erinnert sich Carsten Okunneck. „Zum Beispiel wie wir mit Maurice umgehen sollen, oder ob er besondere Hilfsmittel benötigt.“ Darum habe er sich an den Küchenchef beim Berufsbildungswerk, Maurice Hattendorffs damaliger Ausbildungsstätte, gewandt und mit ihm seine Fragen besprochen. Zusätzlich kam über den bestehenden Kontakt mit Angela Rademacher, Ausbildungsberaterin bei der IHK, schnell ein Austausch mit Oliver Hötte zustande, der als Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber (EAA) auf ein umfangreiches Netzwerk zum Thema Inklusion zurückgreifen kann. An ihn können sich Betriebe wenden, die Menschen mit Behinderung einstellen, ausbilden oder weiterbilden wollen, um Informationen und Unterstützung zu erhalten. Nach einem Beratungstermin im Bauernstübchen stellte Oliver Hötte den Kontakt zur Agentur für Arbeit her, um beispielsweise Förderungen zu beantragen. „Das lief alles problemlos – das hatte ich mir deutlich schlimmer vorgestellt“, meint Sylvia Okunneck. „Und so konnte Maurice dann zum 1. August 2024 die Ausbildung zum Koch bei uns beginnen.“ Herausforderungen und Lösungen Durch seine vorherige Ausbildung im LWL-Bildungswerk hatte Maurice Hattendorff schon Erfahrungen mit der Arbeit in der Küche. Dennoch brachte der Wechsel zu seinem jetzigen Ausbildungsbetrieb einige Unterschiede und Herausforderungen mit sich. „Ich mag es am liebsten, wenn es etwas ruhiger ist und ich eine Bestellung nach der anderen abarbeiten kann“, sagt der angehende Koch. Aber im Bauernstübchen gehe es oft deutlich stressiger zu und besonders viele Bestellungen gleichzeitig zu bearbeiten, falle ihm schwer.
wirtschaft 03+04/2025
„Das passiert zum Beispiel, wenn eine Kegelbahn mit zehn bis zwölf Leuten bestellt und das Essen dann zeitgleich fertig sein muss. Und oft werden die Gerichte heutzutage auch nicht mehr genau so bestellt, wie sie auf der Karte stehen“, so Sylvia Okunneck. In solchen Momenten kommt die Inhaberin mit in die Küche und unterstützt ihren Auszubildenden. Sie habe die Speisekarte geschrieben und dadurch immer einen guten Überblick darüber, was in der Küche zu tun ist. „Man muss aber auch sagen, dass Maurice in einer stressigen Zeit angefangen hat. Im Sommer ging es noch, aber dann kam ja im Prinzip schon direkt das Weihnachtsgeschäft“, meint Carsten Okunneck. Wenn wieder ruhigere Zeiten kommen, werden sie sich auch besser Zeit nehmen können, um Dinge zu erklären. „Wenn es etwas ruhiger ist, lassen wir Maurice auch einfach mal machen. Letztes Wochenende war ich zum Beispiel den ganzen Tag im Büro, er hat alleine gearbeitet und das hat alles gut geklappt. Oder an Silvester – da hat Maurice ein Walnuss-Parfait gemacht, das war perfekt“, erzählt Sylvia Okunneck. Auch die Zusammenarbeit mit der Berufsschule liefe gut: „Ich stehe in Kontakt mit Maurice Lehrerin, das habe ich auch bei den vorherigen Auszubildenden so gehandhabt.“ Sollte etwas einmal nicht so laufen wie geplant, sei es ihr wichtig, dass ihr Auszubildender offen darüber spricht. Flache Hierarchien und ein respektvoller Umgang seien für die Inhaber des Bauernstübchens selbstverständlich. „Den Begriff Angestellte mag ich persönlich nicht. Für mich sind es Mitarbeiter und wir arbeiten zusammen“, betont Sylvia Okunneck. Aktuell ist Maurice Hattendorff in der Küche auf dem Posten des „Entremetier“ und verantwortlich für Beilagen und Salate. Im zweiten Ausbildungsjahr ist dann vorgesehen, dass er den Posten
des „Saucier“ erlernt und Fleischgerichte zubereitet. „Das wird sicher spannend, aber auch das kriegen wir zusammen hin“, blickt Carsten Okunneck in die Zukunft. Für den Betrieb bleibt der Wunsch, dass der Beruf weiter erlernt wird und dass sie auch weiterhin Auszubildende gewinnen können. „Ein Azubi in jedem Lehrjahr, das wäre die Wunschvorstellung“, so Carsten Okunneck. Doch eins steht fest: Mit Maurice Hattendorff haben sie nicht nur einen engagierten Auszubildenen gefunden, sondern auch gezeigt, wie Inklusion am Arbeitsplatz gelingen kann.
von Franziska Petri
Oliver Hötte
02931 878-126
hoette@arnsberg.ihk.de
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