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Verkehr: Lichtblicke mit Vorbehalten
Man weiß
derzeit gar
nicht, wohin man investieren soll. Hubertus Gössling
Der Lagesaldo liegt bei +18 Punkten, und als einzige Branche weist der Sektor positive Geschäftserwartungen auf (+5,5 Punkte). Auch die Investitions- und Beschäftigungspläne sind optimistisch: 46 Prozent der Unternehmen wollen mehr investieren, 40 Prozent planen zusätzliche Einstellungen. Die Ertragslage verbessert sich, der Saldo steigt auf +12 Punkte. Jedoch sind die Zahlen differenziert zu betrachten: Auch im Verkehrsgewerbe zeigt sich eine Diskrepanz zwischen personen- und unternehmensnahen Leistungen. Während die Personenbeförderung ein positiveres Bild zeigt, gibt es im Gütertransport mehr Herausforderungen. Arbeitskosten stellen mit 76 Prozent Nennungen das größte Risiko dar. Hinsichtlich der Investitionen sieht Spediteur Hubertus Gössling deutlich das Problem der Unsicherheit: „Man weiß derzeit gar nicht wohin man investieren soll – E-Mobilität, Wasserstoff oder bleibt es beim Diesel?“ Auch die Verkehrsinfrastruktur belaste sein Unternehmen. „Fehlende Infrastruktur oder marode Brücken wegen derer Umwege gefahren müssen kosten uns Zeit.“ Gastgewerbe: Erholungstendenzen, aber hohe Kostenbelastung Erstmals seit dem Frühjahr 2024 liegt der Lagesaldo des Gastgewerbes wieder (leicht) im Plus. Während im Herbst noch kein Betrieb von steigenden Erträgen berichtete, melden nun 21 Prozent eine positive Entwicklung. 28 Prozent gehen weiterhin von einer Verschlechterung aus. Die Finanzlage hat sich ebenfalls entspannt, bleibt jedoch problematisch! Nur 37 Prozent betrachten ihre finanzielle Lage als unproblematisch, während 38 Prozent Liquiditätsengpässe als größte Herausforderung nennen. Auch wenn der Risikofaktor Finanzierung hinter den Top-Risiken zurückbleibt – mit einem Plus von zehn Punkten gewinnt dieser Faktor deutlich an Bedeutung. In den Teilsparten zeigen sich Unterschiede: Die Gastronomie bewertet ihre aktuelle Lage mit einem Saldo von 20,3 Punkten deutlich besser als das Beherbergungsgewerbe (-5,6
14
Punkte). Dafür sind die Erwartungen in der Gastronomie pessimistischer (-25 Punkte), während sie sich in der Beherbergung mit einem Saldo von 0 Punkten ausgleichen. Besorgniserregend sind die Investitionsabsichten: Über die Hälfte der Betriebe des Gastgewerbes plant, weniger zu investieren. Dabei sei das aktuell besonders wichtig, meint Marion Steinberg, Hotel-Unternehmerin aus Sundern: „Die Anforderungen an die Gastronomie ändern sich schnell, besonders im Hinblick auf Nachhaltigkeit und unterschiedliche Ernährungskonzepte. Flexibilität und Investitionen sind heute entscheidend, denn leider verschwinden die individuellen kleinen Betriebe, die die Gastronomie ausmachen, immer mehr. Ich beobachte einen Wandel hin zu spezialisierten und innovativen Betrieben, die den modernen Ansprüchen gerecht werden. Gastronomie ist Leidenschaft und Lust auf Dienstleistung – und das darf nicht verloren gehen.“ Finanzlage: Anhaltende Unsicherheiten belasten Unternehmen Auch die Finanzlage wurde im Rahmen der Konjunkturumfrage betrachtet. Sie wird zunehmend prekärer. Während 55 Prozent der Unternehmen ihre finanzielle Situation als unproblematisch einstufen, zeigt sich bei einem erheblichen Teil der Betriebe eine zunehmende Belastung. Besonders besorgniserregend: 2,5 Prozent der Unternehmen geben an, von einer drohenden Insolvenz betroffen zu sein. „Unsere Region ist sehr robust, aber je länger eine Krise dauert, desto mehr geraten auch widerstandsfähige Unternehmen in Schwierigkeiten“, erklärt Ingo Ritter, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mitten im Sauerland. Zudem berichten 23 Prozent der Betriebe von einem Eigenkapitalrückgang, was auf eine anhaltende Belastung der finanziellen Substanz hindeutet. „Insbesondere Transformationsfinanzierungen nehmen zu, da Unternehmen sich an neue Rahmenbedingungen anpassen müssen“, so Ritter. Gleichzeitig beobachte er einen Rückgang der Existenzgründungen – kaum noch Menschen machen sich demnach derzeit selbstständig. von Franziska Petri
wirtschaft 03+04/2025
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