Foto: Wrona/IHK

Disruptive Workshops, der Kohlekompromiss sowie das EU-Entsendegesetz waren Themen der Frühjahrssitzung der IHK-Vollversammlung. Als neue Mitglieder in der Vollversammlung begrüßte Präsident Andreas Rother Korinna Sophia Schwittay und Ernst-Michael Sittig.

 

Eine gut gefüllte Tagesordnung erwartete die Vollversammlungsmitglieder bei ihrer Sitzung im April. Für die ausgeschiedenen Mitglieder Katharina Killing und Norbert Runde verstärken von nun an Korinna Sophia Schwittay und Ernst-Michael Sittig das „Parlament der Wirtschaft“. Zu Beginn der Sitzung gab Präsident Rother einen Überblick der Veranstaltungen und IHK-relevanten Ereignisse der letzten Monate. Besondere Highlights waren die von der IHK Arnsberg organisierte Veranstaltung zum Brexit mit knapp 150 Gästen sowie die Abschlussveranstaltung und Ergebnispräsentation des Einzelhandelslabors Südwestfalen. 


Dr. Tim Brühn von der Uni Paderborn stellte den Vollversammlungsmitgliedern das Konzept der disruptiven Workshops vor. Die Workshop-Teams bestehen je zur Hälfte aus Mitarbeitern aller Ebenen aus dem Unternehmen sowie aus Studenten verschiedener Fachrichtungen. Die Teams erarbeiten im zweitägigen Workshop Ideen, die aktuelle Produkte und Geschäftsmodelle der Unternehmen zerstören können (Disruption) sowie Ideen, wie Geschäftsmodelle weiterentwickelt werden können (Innovationen). Die Ideen werden im Nachgang des Workshops weiterentwickelt, so dass am Prozess-Ende neue Produkte, Prozesse und Geschäftsfelder stehen. In Paderborn werden die Workshops in der so genannten Garage33 durchgeführt. Sie besteht seit 2017 und hat 20 Mitarbeiter. In der Garage33 fanden seit Gründung 600 Coachings und 80 Events statt, dabei wurden 169 Gründer in 62 Teams beraten. Die Vollversammlung spricht sich einstimmig dafür aus, dass die IHK prüft, inwieweit ein solches Format in der Region Hellweg-Sauerland eingeführt werden könne.


Thomas Frye, IHK-Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik, erläuterte das Ausstiegs-Szenario aus der Kohleverstromung und der Atomenergie. Der so genannte Kohlekompromiss sehe eine schrittweise Abschaltung in den Jahren 2022, 2030 und 2038 vor. Einhergehen solle der Ausstieg mit einem massiven Ausbau der regenerativen Energien , der Netze sowie moderner Gaskraftwerke. Um neben dem Klimaschutz auch Preisstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, seien zahlreiche politische Begleitmaßnahmen vorgesehen. Deren Wirksamkeit solle anhand von Überprüfungsterminen in den Jahren 2023, 2026 und 2029 hinterfragt werden. Seien die Voraussetzungen für die jeweils nächsten Abschalttermine nicht erfüllt, müsse interveniert und politisch nachgebessert werden. Auch der endgültige Ausstiegstermin 2038 werde nur dann verbindlich, wenn zuvor (2026 und 2029) ein unabhängiges Expertengremium die Vertretbarkeit im Hinblick auf die Ziele des energiepolitischen Dreiecks bestätigt habe.


Klaus Wälter, Fachreferent in der Abteilung International, berichtet über Nachweis- und Meldevorschriften bei vorübergehenden Entsendungen vom Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in andere EU-Länder sowie nach Norwegen, Island, Lichtenstein und in die Schweiz. Die Reisenden sollten bei Aufnahme der Tätigkeit nachweisen können, dass Sie im Entsendestaat sozialversicherungspflichtige beschäftigt sind. Dafür ist ein einheitlicher Entsendeausweis A1 vorgesehen.Die EU- und EFTA-Staaten haben außerdem durch nationales Recht Meldepflichten und eigene Meldeportale eingeführt. Vor Aufnahme der Tätigkeit sind dort Angaben über Dauer, Art und Umfang der Arbeiten zu machen. Die jeweiligen staatlichen Stellen führen vor Ort Kontrollen durch. Zuwiderhandlungen werden mit erheblichen Bußgeldern belegt. Wälter kündigt an, dass voraussichtlich 2020 zumindest für Dienstreisen der Entsendeausweis (A1) entfallen werde. Es gebe aber auch Forderungen nach einer Befreiung von der A1-Bescheinigung für die ersten sieben Tage einer Entsendung.

 

IHK Chef-Volkswirt Stefan Severin stellte die Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Frühjahr 2019 vor. Das Konjunkturklima habe sich weiter abgekühlt. Der aus Lage- und Erwartungskomponenten ermittelte Indikator sei seit Jahresbeginn um sechs Punkte auf nun 113 Punkte gefallen. Während die wirtschaftliche Lage über alle Branchengrenzen hinweg weiterhin meist gute bis sehr gute Noten erhalte, hätten sich die Erwartungen deutlich verschlechtert. Vor allem die Exportaussichten hätten sich deutlich eingetrübt. Ursächlich seien drohende Handelskrisen zwischen den USA und Asien sowie den USA und Europa sowie weiter ungeklärter Brexit-Bedingungen. Allerdings, so Severin, sei davon auszugehen, dass der Aufschwung lediglich einen Seitwärtsschritt macht. Denn für ein Abgleiten in die Rezession sei die Binnenkonjunktur derzeit zu stabil.



Ilona Lange
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