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Konjunktur: Guter Start 2017 trotz Risiken

Ein gutes Lagebild und optimistische Erwartungen an die kommenden Monate stehen im Ergebnis der Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn. Der IHK-Klimaindikator hat einen Wert von 126 Punkten - nach 117 Punkten im vergangenen Herbst - erreicht. Gleichwohl sehen die Unternehmen eine ganze Reihe von Risiken für den weiteren Geschäftsverlauf. Ganz oben auf der Liste stehen "Wirtschaftliche Rahmenbedingungen", gefolgt von "Fachkräftemangel". 
 
Das Lagebild ist im Jahresvergleich fast unverändert freundlich. Nur sieben Prozent aller Unternehmen sind unzufrieden mit ihrer aktuellen Situation. Toppwerte erzielen die Industrie (Saldo aus „Gut“- und „Schlecht“-Antworten: + 47 %) und besonders die Bauwirtschaft (+62 %). Beschäftigung und Kaufkraft sind weiter gewachsen. Davon kann der heimische – stationäre – Einzelhandel (+ 6,5 %) jedoch kaum profitieren.
 
Die Erwartungen der Unternehmen spiegeln insgesamt einen etwas vorsichtigeren Konjunkturoptimismus wider als vor zwölf Monaten. Plus 14 Prozent und damit zwei Punkte weniger als vor einem Jahr beträgt der Saldo von positiven und negativen Prognosen.
Mit rückläufigen Geschäften rechnet 2017 aber kein einziger Wirtschaftszweig. Tragende Stützen der Gesamtentwicklung bleiben Industrie und Bauwirtschaft. Die Nachfrage nach produzierten Gütern und Bauleistungen wird demnach auch 2017 kaum nachlassen. Sondereinflüsse wie Zinstief oder Zuwanderung geben zusätzliche Dynamik. Der Handel bleibt auch bei den Aussichten auf die nächsten 12 Monate am anderen Ende der Skala. Der anhand der Lageurteilen und den Erwartungen gebildete Klimaindikator hat mit 126 Punkten gegenüber dem letzten Herbst (119 Punkte) wieder zugelegt.

Für das Auslandsgeschäft haben die exportierenden Industrie- und Großhandelsunternehmen ihre Erwartungen im Jahresvergleich merklich zurückgenommen. Die Gründe dafür sind auch mit Stichworten wie „Brexit“, oder „Trump“ verknüpft. Das Gros geht von einem unverändertem Exportniveau aus. Allenfalls sind leichte Zuwächse zu erwarten. 

Die Investitionsneigung der Unternehmen ist insgesamt unerwartet stark gestiegen, obwohl sie in der Industrie abgenommen hat. Insbesondere die Dienstleister und die Bauwirtschaft wollen 2017 mehr investieren. Dagegen fährt der Einzelhandel seine Investitionen einmal mehr zurück. Zu Erweiterungen wird es angesichts gut ausgelasteter Kapazitäten vor allem im Großhandel, im Dienstleistungssektor sowie in der Industrie kommen. Letztere plant aber auch wieder vermehrt Rationalisierungsinvestitionen. Wichtigstes Investitionsmotiv bleibt der Ersatzbedarf.

Der Beschäftigungsaufbau, bisher schon ein kräftiger binnenwirtschaftlicher Konjunkturmotor, könnte 2017 schneller drehen. Die Absichten der Unternehmen sind namentlich in der Industrie und dem Dienstleistungssektor überaus expansiv. „Ob es der regionale Arbeitsmarkt aber hergibt, alle diese Personalplanungen auch umzusetzen, bleibt abzuwarten“, so Hauptgeschäftsführerin Dr. Lange bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Zu einem Abbau von Beschäftigung könnte es allerdings im Einzelhandel kommen.
 
Neben den Risiken im Auslandsgeschäft gilt die größte Sorge im Wahljahr 2017 den politischen Rahmenbedingen. Viele Unternehmen geben insbesondere die überbordende Bürokratie als Hemmnis an. Fast ebenso häufig wird der Fachkräftemangel als Konjunkturrisiko genannt. Dem folgen die Kostenentwicklung beim Faktor Arbeit sowie bei Energie und Rohstoffen. „Aus dieser Richtung könnte mittelfristig ein nicht unerhebliches Gefahrenpotential für die Fortsetzung des Aufschwungs erwachsen“, sagte Ilona Lange.

 


Stefan Severin
Dipl.-Volkswirt
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